Gibt’s da Apfelschorle?

Es ist erstaunlich was jeder einzelne von uns so vermisst. Für Anton ist Apfelschorle ganz oben auf der Liste. Egal in welchem Land, ob Café, Restaurant oder Supermarkt, Anton sagt:

Ich nehme eine Apfelschorle.

Das resultiert in der immer gleichen Erklärung:

In diesem Land gibt es keine Apfelschorle. Das ist als würdest Du in Berlin nach einer frischen Kokosnuss fragen.

Und die immer gleiche Reaktion ist:

Warum?

Anton ist mitten in seiner Warum-Zeit. Ich hatte mir das ja immer so vorgestellt wie bei der Frage nach Apfelschorle. Kind möchte was, Eltern sagen nein, weil. Kind fragt: warum?

Weil es in Berlin keine Palmen wachsen von denen man eine frische Kokosnuss ernten kann.

Warum?

Weil es in Berlin zu kalt ist.

Ich mag aber Apfelschorle so gerne.

Ich weiß mein Schatz, ich würde Dir auch gern eine geben wenn ich eine hätte, aber hier in Nicaragua gibts halt keine Apfelschorle.

Warum?

Spätestens dann ist man bereit für politisch und pädagogisch fragwürdige Erziehungsmaßnahmen.

Bei Anton fangen die Fragen aber nicht nur aus der Situation heraus an. Anton fragt uns ständig was, zu fast allem was er sieht oder zu Dingen die er vor Tagen gesehen und gehört hat, so dass wir lange überlegen müssen was er denn jetzt meinen könnte oder woher er diese Frage nun hat. Es ist eine Freude und ein Leid. Nicht selten wünschen sich die Eltern eine Fragepause.

Anton beim Abendessen mitten im Dschungel in Honduras:

Warum gibts Männer und Frauen?

Öhmmmm…. tja weißt Du… ähhhhh

Ein wenig einfacher war es da den Friedhof zu erklären an dem wir in Honduras vorbei gewandert sind. Es gab einige große Grabsteine und Gruften zu sehen.

Was sind das denn für kleine Häuser?

Das sind Gräber, da liegen die Toten drin.

Warum liegen die Toten da drin?

Wenn Menschen sterben, dann vergraben wir sie in der Erde.

Die sind dann unter der Erde? Wenn man die Erde in den Mund kriegt schmeckt das aber nicht! (mit ganz verzogenem Gesicht)

Wenn man tot ist schmeckt man das nicht.

Nachdenkpause

Was ist da auf dem Haus drauf?

Ein Kreuz.

Warum ist da ein Kreuz drauf?

Weil das den Leuten gefällt.

Wenn ich mal sterbe, habe ich dann auch ein Kreuz drauf?

Du kannst drauf haben, was Du willst.

Dann will ich eine Rakete!

Anton ist sehr aufmerksam und schaut sich alles genau an. Tegucegulpa war eine sehr laute und raue Stadt. Anton hat unsere Anspannung sehr gespürt, als wir durch die Straßen gingen, auf unsere Taschen aufpassten, versuchten uns zurecht zu finden ohne dabei von einem der alten amerikanischen Schulbussen oder den Rapidos über den Haufen gefahren zu werden. Im Taxi hat er mich dann gefragt:

Warum sind die Häuser alle kaputt?

Für ihn sieht das ungepflegte, raue der Stadt kaputt aus. Viele Menschen sahen auch kaputt und ungepflegt aus, viele Erwachsene hatten kein komplettes Gebiss im Mund (zumindest in der Gegend in der wir Busse wechseln mussten, die auch genau so im Reiseführer beschrieben war).

Anton verknüpft seine Eindrücke mit seiner Welt und die ist heil, gesund und reich. Und dass es andere Menschen gibt, denen es manchmal nicht mal zum essen reicht, kann er überhaupt nicht verstehen. Er hat viel gefragt und wir haben versucht das zu erklären aber man merkte, da hat er kein Verständnis oder eine Verbindung zu. Zum Glück ist sein Leben aber auch reich an Vorstellungsvermögen. Im Dschungel haben wir das zu Hause der Wurzelkinder gesehen. Die Wurzelkinder selbst leider nicht, aber Achtung:

Mama, da kommt bestimmt gleich die Frau raus!

Die Mutter Erde?

Jaaaaa! – strahlend – Genau die!

Kommentare

  1. Ulli

    Ich will eine Rakete! – Herrlich, das muss ich mir merken. Und ich muss Anton zustimmen: Apfelschorle ist auch immer ganz oben auf meiner Liste von Dingen, die ich vermisse..Nach Eurer Rückkehr wird er dafür wohl dann immer sagen „Ich nehme eine Kokosmilch“. :-)))

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