„Ich will richtiges Essen“

… sagten die Kinder an Tag drei. Nach zwei interessanten, aber auch wahnsinnig anstrengenden Tagen bei den Tempeln konnte wir ihnen das nicht verübeln. Hitze, Menschenmengen, Eltern die nur sagen: „Guck mal, wie schön!“ „Obacht!“ „Nimm meine Hand!“ „Guck mal die Affen!“ „Achtung die Affen“ „Nur noch einen Tempel!“ waren auch wirklich nicht hilfreich. Und dann soll man auch noch dauernd Essen probieren, das man so nicht kennt. Aber nun mal von vorn.

Tempel-Volksfest

Khmer New Year ist eine Mischung von Besinnung auf die Ahnen und Volksfest. Es begann kurz nachdem wir in Siam Reap ankamen und dauerte drei Tage lang. Insbesondere bei den großen und bekannten Tempeln Ankor Wat und Bayon waren Zelte, Bühnen und Verkaufsstände aufgebaut. Die Tuk Tuks standen mit Autos, Mopeds und Fußgängern im Stau beim Versuch die Tempel zu erreichen. Unser Tuk Tuk Fahrer war sehr aufmerksam und lies uns auch mal aussteigen und fotografieren, während er weiter im Stau stand und das Gefährt fünfzig Meter weiter bewegte. Am Straßenrand unter Bäumen saßen Familien und aßen, schliefen und schaukelten Babys in Hängematten.
Neben  Kambodschanern die mit ihren Familien feiern wollten, waren dann auch noch Horden von Touristen vor Ort. Viele, wie ich in Tempelröckchen gekleidet, weil der eigene Rock oder die Short zu kurz war und sie vor den Toren von Kontrolleuren so nicht eingelassen wurden. Keine Sorge, es stehen immer eifrige Händlerinnen bereit um noch ein züchtiges Beinkleid zu verkaufen. Zum Tempelpreis, versteht sich. Staunend über die Tempel, besorgt und immer ein Kind an der Hand schoben wir uns durch Ankor Wat und Bayon.

Lustig ist das Neujahrsfest dann am Abend, wenn große und kleine Menschen sich mit Wasserpistolen, oder eher gesagt Wassertank-Rucksäcken mit Spritzen daran bewaffnen und sich gegenseitig nass machen (und auch noch mit Babypuder bewerfen). Diese Wasserschlacht führte zwar zur dringend benötigten Abkühlung, aber auch zu weiterer  Reizüberflutung unserer jüngsten Reisenden. Richtig Entspannung gab es für die Kleinen nur am Hotelpool (oder zur frühen Schlafenszeit). Da waren wir von der Umwelt und dem Treiben auf den Straßen geschützt und konnten die Eindrücke ein wenig verarbeiten.

Pommes für die Seele

Zum Essen gingen wir wenn möglich einfach nur an die nächste Straßenecke, immer zum gleichen Laden. Zuviel Neues kann ja keiner aushalten. Die Kinder wurden erkannt, die Tische für uns zusammengeschoben und zum Kinderglück gabs Pommes. Freitag wurde zum Nudeltag erklärt. Mit einem Tag Pause, Ostergeschenksuche auf dem Balkon machten wir uns am Montag zu Großen Tempeltour auf. Wir hatten vergeblich versucht unseren Tuk Tuk Fahrern zu erklären welche Tempel wir genau sehen wollten. Sie nickten freundlich und erklärten beharrlich, dass wir die große Tempeltour fahren würden. Was ein Glück und welch eine Freude, denn:

  1. wir waren vorbereitet, hatten wir doch im Minimarkt Haribos entdeckt (sie machen wahrlich nicht nur Kinder froh!)
  2. die Massen waren verschwunden
  3. die Fahrer wussten was sie uns boten

Es war atemberaubend

Die ersten Tempel-Tage waren für alle anstrengend, denn wir wollten schauen und mussten auf die Kinder achten. Trotzdem waren die Eindrücke eine Freude! Der dritte und letzte Tag aber war im wahrsten Sinne ein Höhepunkt. Nach jedem Tempel gabs für die Kleinen ein Colafläschchen. Der Handytaschenrechner wurde zum schwitzen gebracht, beim Versuch zu berechnen wieviele Quadratzentimeter Stein vor uns standen. Doppelagenten und Diebe mussten durch die Tempel gejagt werden. Ein Sonnenhut wurde gekauft und von den Kinderräubern im Tempel entwendet. Fußabdrücke mussten fotografiert und analysiert werden… und dazwischen ein Colafläschchen…Wir alle konnten durchatmen und staunen.

Unser absolutes Highlight: Preah Khan!

Kommentar verfassen