In der Nudelmanufaktur

Zuhause in Berlin kommt der Sohnemann in unregelmäßigen Abständen auf die Idee Nudeln selbst zu machen. Dann verwandeln wir die Küche in ein Schlachtfeld, manchmal muss auch der Wäscheständer beim trocknen helfen. Wenn wir ganz kreativ sind, dann machen wir auch Herzchenravioli.

Zu unserer Tour durch die schwimmenden Märkte auf dem Mekong gehörte auch ein Abstecher zu einer Nudelmanufaktur. Sohnemann und ich waren sehr begeistern. Wir wollten sehen ob es da auch Wäscheständer voller Nudeln gibt. Kann ich gleich aufklären, die gab es nicht! In der Hitze, mit nur einem Bambusdach überdeckt standen vier Menschen vor dampfenden Kesseln.

In den großen blauen Bottichen wird der Teig gerührt. Man nennt es die „Reismilch“ weil es dickflüssig und ganz weiß ist. Dieser Teig besteht aus Wasser, Weizen und Reispulver. Von Hand rühren muss das zum Glück keiner mehr. Zwei riesige Rührer werden elektrisch betrieben.

In den großen braunen Kesseln wird Wasser erhitzt, darüber ist eine Haut gespannt, die durch den Wasserdampf erhitzt wird. Die Dame in Orange nimmt eine Kelle von der „Reismilch“ und streicht sie über diese Haut, so wie man den sehr flüssigen Teig für Crêpes auf einem Crêpes-Eisen verteilt und legt den hutförmigen Deckel auf. Nach weniger als einer Minute ist der Reisnudelfladen fertig zum trocknen.

Angefeuert wird der Wasserkessel mit der Verbrennung von Reishülsen. Leider sind diese in den letzten Jahren immer teurer geworden, so dass häufig auch Lumpen oder ähnlichen mit verbrannt werden.


Mit einer Rolle aus Bambus rollt der Herr mit dem Basecap die noch glitschigen und weichen Reisfladen von der Haut. An den Bildern sieht man den Dampf, der natürlich nochmal Hitze abgibt. Bei 38°C eine ganz schön hitzige Angelegenheit.

Vorsichtig legt er die dünnen Fladen auf Bambusgeflechte und diese kommen dann in Sonne zum trocknen.

Wenn diese Fladen dann getrocknet sind, fühlen sie sich steif und ledrig an. Wie wir das wissen? Wir wurden nahezu gedrängt sie anzufassen. In Deutschland undenkbar, etwas essbares anzufassen was dann auch noch verkauft werden soll.


Neben uns und dem Fladen steht die Schneidemaschine. Die Fladen werden durchdreht und heraus kommen ganz dünn geschnittene Reisnudeln. Wer in Can Tho essen geht, wird wahrscheinlich diese Nudeln essen, denn sie werden lokal verkauft. Probiert haben wir sie auch gleich. Es war das beste vietnamesische Frühstück, das ich je kosten durfte.

 

Kommentar verfassen