Mit Kinderaugen

Wochen vor der Abreise fingen wir an Anton zu erzählen, dass wir bald auf eine große Reise gehen werden. Mit 2 1/2 Jahren hat er aber noch kein Konzept für Zeit. Kaum waren wir angekommen hat er nur von zu Hause erzählt oder davon dass er bald in die Skischule gehen wird. Dass das alles noch ganz, ganz lange dauern würde, konnte Anton nicht verstehen.
In Cancun, unserer ersten Station angekommen, fragte Anton immer: „wo ist Mexiko?“ und wir erklärten geduldig immer wieder, das hier ist alles Mexiko. Diese Erklärung konnte ihn aber überhaupt nicht zufrieden stellen. Als wir endlich in Progreso, Casa Rosa und am Strand angekommen waren konnte man glücklich hören: „Da ist Mexiko!“ und Anton zeigte auf den Strand.
Coole Burgen
Wie macht man Kulturreisen spannend für Kinder? Selbst nicht gerade Experten in Sachen Maya Kultur hangelten wir uns eben so lang. Das Ritterbuch war gerade ein großer Erfolg bei Anton (vor allem weil es erklärt dass Ritter Kacka in den Burggraben gemacht haben, aber das ist eine andere Geschichte). Also hießen Maya-Ruinen ab sofort Maya-Burgen bei uns. Und schon wars spannend. Dass Anton allerdings so scharf auf Museen sein würde hätten wir uns nicht träumen lassen. Nach der ersten Maya-Stätte und dem auslassen des Museums war erst Ruhe als wir im Maya Museum in Merida waren. Dass es dort Touchscreens und iPads zur Information gab, war sicher kein Fehler.
Die Erzieherinnen in der Kita beschrieben Antons Spaß an Spaziergängen mit: „Das ist alles noch ein bisschen anstrengend für ihn.“ Fand ich sehr höflich ausgedrückt. Für mich ist es irgendwas zwischen anstrengend und unerträglich da er nicht vom Fleck kommt, sich hinsetzt, Steine sammelt, Hauseingänge beguckt,… Kaum auf der Maya-Burg angekommen, hatten wir einen kleinen Wandersmann dabei. Der einzige Grund sich zu setzen: wenn Mama sagt wir machen ne Pause und trinken mal was.
Archäologen sind wie Meteorologen und Forscher
Wenn Männer mit einem Hammer unter einer Plane auf Maya-Burgen einhauen, dann braucht das für Anton eine Erklärung, also: „das sind Forscher, wie in deinem Wetter-Buch die Meteorologen nur nicht für Wetter, sondern für Burgen und die heißen Archäologen!“ Cool! Anton rannte um die Steine rum sagte irgendwas das wie „Achologe“ klang und war ab sofort Forscher. Damit schafft man nochmal ne halbe Stunde Fußweg, locker! Und wenn es Anton einfiel, dass ein paar Steine eine Bäckerei seien und er all die Sachen spielte, die er bisher so ein bisschen vermisste (Brezeln, Croissants, Sesam-Brötchen – für Mama), dann ließen wir ihn machen. Schließlich können wir verstehen, wenn man im Ausland nach „hartem Brot“ fragt und sich nach 2 Tagen schon nach einem selbst gebackenen Vollkornbrot sehnt.
Statt mit einer Gute-Nacht-Geschichten gehen wir gerade mit dem Spiel „Mir hat heute gefallen dass…“ ins Bett. Eine Super Möglichkeit für Anton die Fragen zu klären, die bis dahin noch offen waren: „Waren die Maya Babys auch bei der Mama im Bauch? Ist das dann eine Maya Mama? Haben die dann auch einen Maya Papa? Und ein Ritter war auch mal in einem Mama Bauch? Und wenn er mal muss, dann macht er in den Burggraben!“
Gute Nacht.

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