Mit Kindern reist man anders

Wie macht Ihr das? Mit Rucksack und so? Der Rucksack ist das Symbol für weite Reisen in ferne Länder, für Unterkunft in Hostels, nie richtig ausgepackt sein, Abenteuer, auch ein bisschen Gefahr, viel sehen in möglichst kurzer Zeit. Wir reisen mit (Vor-)Schulkindern und auch wenn wir Rucksäcke dabei haben werden, reisen wir nicht mehr so, wie viele sich das Rucksackreisen vorstellen.

Wir werden zwei Monate unterwegs sein und wie auf jeder Tour mit einer Gruppe, geben die langsamsten das Tempo vor. Wir werden nicht jeden zweiten Tag in einem Bus oder Pickup sitzen, denn das ist die langweiligste Zeit für die kleinen Abenteurer. Wir wollen aber auch nicht nur von Hotel zu Hotel hopsen. Langsam und mit Muse möchten wir Teile der Länder kennen lernen die wir besuchen.

Wie auch schon 2012/13 werden wir immer ein paar Tage an einem Ort bleiben. Wir wollen ankommen und unser neues zuhause erobern. Der Sohnemann ist aber nun auch schon um einiges größer, seine Bedürfnisse sind sicher anders als vor 4 Jahren, vielleicht müssen wir uns unterwegs auch wieder umstellen und anpassen. Es bleibt also spannend.

Schule unterwegs

Und wie ist das mit der Schule?  Man kann so eine Reise nicht einfach planen und beschließen, dass die Kinder während der Schulzeit mitkommen. In Deutschland ist Schulpflicht. Aber man darf seine Schule fragen. Wir haben das so gemacht:

  • zuerst haben wir mit der Klassenlehrerin gesprochen
  • dann haben wir mit dem Rektor gesprochen
  • zuletzt haben wir unsere Beweggründe für die Reise zu Papier gebracht und darum gebeten den Bub für zwei Monate zu beurlauben

Wir haben großes Glück, denn wir mussten weder die Lehrerin, noch den Rektor davon überzeugen, dass so eine Reise auch Bildung ist. Damit Deutsch & Mathe aber nicht zu kurz kommen, nehmen wir die entsprechenden Unterlagen mit. Kurz vor der Abreise werden wir uns mit der Lehrerin treffen und besprechen was Anton wissen muss, wenn er wieder in die Klasse kommt. Und dann werden die Eltern zu Lehern.

Unterricht am Strand (jeden Tag 5 Stunden), so stellt sich unser Schulkind das vor – und freut sich. Wir Eltern sehen das ein wenig anders. „Unterricht“ jeden Tag, in dem wir mit offenen Augen und offenen Herzen die Umgebung wahrnehmen. Das entspricht eher unseren Vorstellungen & Erfahrungen. Die Übungen in den Schulheften sind nur ein Teil des Reiseunterrichts.

Kinder profitieren von Reisen

Lernen kann man nicht nur in einem Klassenraum mit einer Tafel. Die Weltenbummlerfamilie Clavin hält dazu Vorträge und berichtet von ihren Erfahrungen mit der Welt als Klassenzimmer. Auf ihrer Webseite www.weltreise-mit-kind.de haben sie jede Menge Tipps & Erfahrungen zusammengetragen. Und es macht einfach Spaß die Reiseberichte zu lesen und wunderbaren Bilder zu betrachten.

Als wir zu unserer ersten großen Reise aufbrachen, war Anton zweieinhalb. Wir sprechen noch oft davon. Meistens kann er sich an Situationen erinnern, zu denen es auch Fotos in unserem Album gibt. Hin und wieder überrascht mich unser Sohn dann aber mit Anekdote, die ich schon längst vergessen hatte. Was aber viel wichtiger ist, als die einzelnen Erlebnisse, ist die Offenheit und das Interesse, dass wir bei Anton wecken konnten. Wir sind als Familie anders zusammen gewachsen, denn wir waren 4 Monate immer zusammen. Wir haben Reisende und Einheimische getroffen, Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen. Wir haben unsere eigenen Grenzen erfahren. Es fordert uns alle immer wieder heraus beweglich im Kopf zu bleiben.

Wenn Anton über ferne Länder etwas hört oder liest, will er hin und das erfahren. Schon alleine weil er weiß, dass man auch mit leckeren Rezepten nach Hause kommen kann, auch wenn wir die Tortilla nie so gut hinbekommen haben, wie die von der Tortilla-Maria in Mérida, Mexiko.

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