Paradies neben Inferno

Unsere Zeit auf Vietnams Urlaubsinsel Phu Quoc geht dem Ende zu. Das Mekong Delta ruft.

Aber wie soll man es hier beschreiben? Wir wohnen paradiesisch, in einer wunderschönen Anlage, weit von der Stadt, es ist Nebensaison und somit wenig los. Es gibt einen Strand nur für die Gäste, einen Pool, Palmen und Schatten. Ab und an sogar ein wenig Wind.

Blick von unserer Terrasse

Trotzdem werden wir immer zwiespältig auf unser fünf Tage Paradiesinsel zurückschauen. Der Weg aus der Stadt oder vom Fähranleger zur Anlage führt über den alten Flughafen, der nun Straße ist vorbei an der immer schwelenden Müllkippe bis zu „Chez Carole“, unserem zuhause der letzten Tage.

Die Rauchschwaden der Müllkippe sind vom Strand aus immer zu sehen und eine ständige Erinnerung daran, dass wir unendlich viel Müll produzieren, es hier aber keine gut funktionierende Müllentsorgung gibt. Meinen Strandspaziergang am gestrigen Nachmittag, habe ich abgebrochen. Je weiter ich vom Resort-Strand entfernt war umso mehr Müll umgab mich. Er kam aus dem Meer und aus dem Wald hinter dem Strand. So richtig Lust im Meer zu baden hatte ich auch nicht. Plastiktüten, Styropor, Schokoladen Verpackungen, alles das sieht man auf dem Meeresgrund vom Steg der Anlage aus. Dabei ist es hier herrlich, das Wasser ist warm und flach, die Kinder können (bei bedecktem Himmel) am Strand spielen und ins Wasser.

Auf der Müllkippe fressen die Rinder sich satt, das sehen wir nur wenn wir vom Hotel-Shuttle zum Nachtmarkt in die Stadt kutschiert werden. Wir sehen auch Menschen, die in den Rauchschwaden stehen, in normaler Kleidung, Mund und Nase nur mit einem Tuch bedeckt und irgendwas arbeiten oder im Müll suchen. Ein kurzer Blick im vorbeifahren und dann sind wir wieder weg im Urlaubsparadies.

Unsere Reiseführer sagen alle, geht jetzt noch nach Phu Quoc. Früher war es noch ein Geheimtipp, aber das ändert sich rasant. Die Insel will eine große Urlaubsinsel werden, wie so manche in Thailand. Der neue Flughafen ist nur ein Zeichen dafür. Gegenüber unserer Bucht sehen wir zwei große Baukräne, vielleicht ist in ein paar Jahren neben „Carole“ statt Ruhe und Fischerbooten schon das nächste Ressort. Aber wohin dann mit dem ganzen Müll?

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