Kinderfragen

In Berlin sind wir mit einem Kleinkind ins Flugzeug gestiegen, seit ein paar Tagen/Wochen reisen wir mit einem kleinen großen Kind. Die Unterschiede sind fein aber spürbar. Anton ist gewachsen und erwartet das auch von uns. Ich komme manchmal nicht hinterher.

Einer der Gründe für diese Reise war auch, dass wir mehr Zeit mit unserem Kind verbringen wollten. Seit Anton 10 Monate alt war haben wir außer Urlauben und Wochenenden kaum ganze Tage mit ihm verbracht. Wir haben verpasst wie viel Freude und wie viel Arbeit das sein kann. Seit dem wir jeden Tag Spielkameraden, Vertraute, Freunde und Eltern für ihn sind (sein müssen), lerne ich meinen Sohn nochmal aufs Neue kennen. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Zeit seiner Entwicklung und unsere Freunde in Berlin, in gewohnter Umgebung, erleben das Gleiche. Ich weiß es nicht. Für uns ist diese Zeit auf jeden Fall sehr intensiv. Im positiven wie im negativen Sinne.
Es gibt Tage da können wir vor „Warum“ keinen klaren Gedanken fassen und ich übertreibe nicht. Er sieht alles, versteht vieles noch nicht und will doch so gern. Anton kann sich unglaublich ausdrücken, innen drin ist er aber noch ein kleiner Kerl. Wenn das nicht reicht, dann fragt er eben was das gesehene auf Englisch oder Spanisch heißt. Wir Eltern können keinen Satz miteinander wechseln ohne dass Anton eine Frage einwirft.

Auf der anderen Seite erfüllt es mich mich so unglaublicher Freude und Stolz, wenn er sich bei mir beim Frühstück bedankt, nachdem ich ihm Milch zu trinken angeboten habe:

„Danke, dass Du mir Milch angebietet hast! Thanks. Papa sag mal Gracias zu Mama sie hat Milch angebietet.“

Wir haben in unserem Haus in León das Kinderspiel „Candyland“ entdeckt und können es mit Anton spielen. Nach dem ersten Versuch konnte er die Regeln und spielt gern und ausgiebig mit uns. Auch mit den Legos der „Vermietertochter“ (den kleinen) hat er Ausdauer. Diese Nähe hatten wir lange nicht zueinander.

Ich bin sehr froh, dass Anton zuerst eine tolle Babysitterin hatte (und zum Glück noch hat) und dass er (gerne) in die Kita geht. Die Arbeit der Profis die mein Kind fördern und es glücklich machen ist so unglaublich viel wert. Meine Wertschätzung für deren Arbeit ist nochmal gestiegen. Denn jetzt sind wir als Eltern auf einmal 100% dran und müssen überlegen was unser Kind braucht, was ihm gut tut und was seinen Wissenshunger und seine Neugierde stillt, ihn aber auch nicht überfordert. Aber wir sind auch die einzigen Empfänger seiner Liebe und wir genießen es in vollen Zügen von ihm ganz, ganz, ganz feste gedrückt und geküsst zu werden. Ich freue mich über die Nähe und darüber wenn es vorbei ist und wir alle wieder mehr eigenen Raum bekommen.

Aber mit einem Kind das kein Baby mehr ist hat auch bewusste Erziehung Einzug in unser Leben gehalten. Und wir merken, dass wir mit Erinnerung an unsere eigene (gute – Danke!) und einem guten Bauchgefühl nicht immer weiter kommen. Ich weiß manchmal einfach nicht was mein Kind von mir braucht und was ich schon von ihm erwarten kann oder was ihn überfordert. Bücher helfen aber es gibt deren viele und mit vielem kann ich nichts anfangen (mal vorsichtig ausgedrückt). Wir sind trotzdem auf zwei gestoßen, die sich spannend anhören und dank dem eReader hat man sie auch gleich zur Hand. Nun bin ich begeisterte Leserin von Erziehungsbüchern* und unser Anton ist mein Versuchskaninchen. Beide Bücher habe ich noch nicht zu Ende gelesen, aber es freut mich welche Gedanken und Gefühle sie in mir auslösen und welche Freude es mir wieder bereitet mich mit meinem Sohn aufs Neue auseinander zu setzen.

*Kinder verstehen: Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt
*How to talk so kids will listen & listen so kids will talk

Kommentare

  1. ac

    Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als mein Mann (sehr wahrscheinlich an einem Wochenende mit mehr Zeit) sagte: Ich glaube, wir müssen jetzt anfangen zu erziehen.. Ha – tat ich schon längst! 🙂 Aber ehrlich gesagt: ich habe keinen einzigen Ratgeber gelesen…ich verweigere mich quasi. Ich find mein Bauchgefühl ganz gut dafür geeignet. Und leider wird es vorerst nicht leichter…so ein 4jähriger, der argumentativ stark ist, ist auch ne Herausforderung und prompt rutscht der zweite in die Trotzphase. 😉 Viel Spass auf eurer Reise!

  2. Jan

    Lese Deinem Tipp folgend gerade mit Genuss „Kinder verstehen“. Bisschen flapsig geschrieben, aber inhaltlich ein großartiges Buch fernab der üblichen Elternratgeber mit ihren Modethesen. Im Gegenteil, nett seine Kritik an dem unsäglichen „Jedes Kind kann schlafen lernen“ zu lesen. Bisher habe ich Eltern, die mir erzählt haben, dass sie ihre Kleinen „kontrolliert schreien“ lassen immer einfach wegen offensichtlicher charakterliche Defizite aus meinem Adressbuch gelöscht. Ab jetzt schicke ich einfach Deinen Buchtipp weiter (und lösche dann).

    • Das freut mich zu hören 😉 Allerdings muss ich nach ein paar mehr gelesenen Kapiteln sagen, dass mir die Erklärungen manchmal ein bisschen weit hergeholt erscheinen. Die Trotzphase, der eigentliche Abstillkonflikt? Da erlaube ich mir ein höfliches „öhöm“ mit leicht hochgezogenen Augenbrauen. Was mir an dem Buch aber sehr gut gefällt ist die Herangehensweise. Kinder sind kein Problem, sondern ihr Verhalten hat einen Grund und damit müssen wir alle zurecht kommen. Find ich prima, hilft mir auch die Momente zu überstehen wenn ich mein Kind ätzend finde. Und dann finden wir ja doch meistens einen „guta Prompromiss“. Toller finde ich aber das andere Buch „How to talk to Kids…“. Ich glaube das wird mich noch viele Jahre begleiten und ich werde immer wieder darin stöbern und mir Anregungen holen. Wirkt erst nicht so, aber lohnt sich auch schon für Eltern kleiner Kinder.

  3. Edith Sehn-Wörner

    Da kann ich noch das Buch von Gerald Hüther und Uli Hauser empfehlen: Jedes Kind ist hoch begabt. Die Seite von Gerald Hüther ist noch aus vielen anderen als „Kinder-Gründen“ empfehlenswert!
    Ja, Kinder sind der Hammer! Ich werde nie vergessen, wie die zweieinhalbjährige Anna erkannte, dass sie viel zu viel von sich selbst forderte und formulierte. „Ich möchte so gerne wieder mein eigenes Baby sein!“ Und Lisa nach einiger zeit im Kindergarten feststellte: „Ich möchte im Kindergarten abgemeldet und zuhause wieder angemeldet werden!“ Die 14 Jahre, die Michel Familien“arbeiter“ war, waren die schönste Zeit unseres Lebens!

    • Ha, da habe ich mir doch gleich mal eine Leseprobe auf den Kindle geschickt. Wenn man den Kurzen nur ganz genau zuhört, dann merkt man wie viel da schon drinsteckt, aber wir verstehen Kinderausdrücke nicht immer ohne Anstrengung. Momentan erlebt Antons Freund Komell alles mit uns. Das ist Anton wichtig, dann muss er unbekanntes nicht alleine machen. Wir können ihn nicht sehen, aber wie der Pumuckl ist er immer da 😉

  4. Edith Sehn-Wörner

    Sind das nicht magische, glücksprühende momente, wenn die kleinen mit uns teilen, was sie erleben (auch wenn wir nur ein quäntchen von ihrem inneren erleben erahnen)? Chris hatte in Antons alter eine ganze bande: den moritz bös, den moritz lieb, den männel, noch einer (dessen name mir grad nicht mehr einfällt) und frau mützele. Ich glaube, die waren genauso real und wichtig wie die bande seiner „leibhaften“ kumpel.
    Seid lieb gegrüßt und genieß den kleinen sohn in jedem augenblick (denn er wird so schnell erwachsen sein!).
    edith

Kommentar verfassen